Riester-Rente: „Die Beitragsgarantie ist ein wesentliches Kaufargument“
BVI–Hauptgeschäftsführer Stefan Seip über Chancen und Fehleinschätzungen im Riestergeschäft
DAS INVESTMENT.com: Ein Marktsegment, das Ihnen Freude machen müsste, ist das Riestergeschäft (23 Prozent mehr Riester-Verträge).
Seip: Ich bedaure natürlich ein bisschen, dass es nur drei Gesellschaften sind, die nennenswerte Stückzahlen machen und auch Marketingaufwand dafür betreiben. Aber diese drei können in der Tat sehr zufrieden sein (Altersvorsorgegeschäft der DWS profitiert von der Finanzkrise). Mittlerweile hat die Investmentbranche bei den Neuabschlüssen einen Marktanteil von rund einem Drittel erreicht. Das ist schon sehr ordentlich, auch vor dem Hintergrund, dass sich auf der anderen Seite nicht nur drei, sondern rund 80 Versicherungsgesellschaften aktiv um neue Riesterkunden bemühen.
DAS INVESTMENT.com: Die Branche hat sich anfangs lange dagegen gewehrt, die in einen Riestervertrag eingezahlten Beiträge zu garantieren. Ist mittlerweile nicht gerade diese Garantie ein wesentliches Kaufargument?
Seip: Ich sehe das jetzt so, ja, obwohl auch ich vorher anderer Meinung war. Man lernt eben immer dazu. Die Garantie war nicht nur entscheidend dafür, dass die Politik bereit war, Fondsprodukte in die Riesterrente aufzunehmen, sondern sie ist gerade auch jetzt mitentscheidend dafür, dass die Anleger ohne Angst zugreifen. Zwar ist eine Beitragsgarantie bei einem Sparzeitraum von 30 oder 40 Jahren nicht sehr weitreichend. Doch sie gibt Anlegern das nötige Stück Sicherheit, um den Einstieg zu wagen.
DAS INVESTMENT.com: Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund den ungeförderten Riester–Sparplan?
Seip: Das ist ein sehr interessantes Produkt, wo wir zudem – leider nur in dieser Nische – eine steuerliche Gleichbehandlung mit der Kapitallebensversicherung erreicht haben. Deshalb erwarten wir da in den nächsten Jahren auch ein gutes Neugeschäft.
DAS INVESTMENT.com: Müssten dann nicht mehr Gesellschaften auf diesen Zug aufspringen?
Seip: Ich würde es mir wünschen. Nimmt man den ungeförderten Riester hinzu, verliert die Befürchtung, der Kuchen in diesem Segment könnte schon weitgehend verteilt sein, zunehmend an Gewicht.
Von: Egon Wachtendorf
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